Traces in a Sandbox
Julius Bobkes Malerei verbindet klassische Ölfarbe mit plastischen Elementen aus Plastilin, das er schmilzt, formt und in die Fläche einarbeitet, sodass Farbe selbst körperlich wird. Die Leinwände sind dabei oft nicht nur Träger, sondern Teil des Prozesses. Sie werden gefärbt, gebleicht, zerschnitten, neu vernäht, oft nach Monaten wieder aufgenommen und weitergeführt. Dabei trifft Historisches auf Zeitgenössisches, Tragisches auf Komisches, Universelles auf Persönliches. Aus kunsthistorischen Referenzen, Popkultur und eigenen Beobachtungen formt Bobke vielschichtige Bildwelten: Motive werden vermischt, übermalt, überknetet und immer wieder neu zusammengefügt. Seine präzise Vermischung von Form, Material und Motiv schafft dabei eine unverwechselbare Bildsprache. Die Arbeiten leben von Spannungen, die er nicht auflöst, sondern sichtbar macht. Dies geschieht mit einem genauen Gespür für das Material und einem Humor, der seiner Praxis eine eigene Leichtigkeit gibt.
Die künstlerische Arbeit von Wolfgang Günther setzt sich unter anderem mit Phasen des Übergangs in der menschlichen Reifung sowie der Wahrnehmung und Selbstbetrachtung auseinander. In seinem Werk nutzt er meist das Porträt als Medium, um diese Dynamiken greifbar zu machen. Die Darstellungen reichen dabei von der Entstehung geschlechtsneutraler Gestalten und der Bestimmung ihrer Physis bis hin zum völligen Verlust ihrer individuellen Züge und menschlichen Attribute. Günther widmet sich einer beständigen Einordnung von Motiven wie sich verändernden Körpern in abstrakten Umgebungen oder der Darstellung einsamer Gestalten. Diese Figuren gewinnen ihre Wirkung ausschließlich durch ihre pure, körperliche Präsenz. Sie fordern die Betrachtenden dazu auf, bestehende Vorstellungen über das eigene Ich zu hinterfragen – eingebettet in ein Menschenbild, das sich im ständigen Wandel befindet.
Weitere Informationen unter: www.kunstverein-ulm.de